5500 Räumungen

5500 Räumungen

Wer bei EMMAUS eine Räumung bucht, bekommt mit Enver Rexhepi 23 Jahre Erfahrung und vollen Einsatz. Der Leiter Räumungen und Transporte über skurrile Fundstücke, den wahren Wert von Hausrat und die Wichtigkeit des Zuhörens.

Kannst du dich noch an deine erste Räumung erinnern?
November 2003, Thalwil, 4. Stock, kein Lift – und ein giftiger Hauswart, der uns das Leben schwer gemacht hat.

Wie viele Räumungen sind seither dazugekommen?
Die genaue Zahl habe ich nicht parat, aber wenn ich eine Hochrechnung mache, waren es sicher über 5500.

Welche ist dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben?
Unzählige. Was ich sicher nie mehr vergessen werde, ist eine Dame, die in einem IKEA-Stuhl Uhren von Rolex, Cartier und Breitling sowie mehrere tausend Franken eingenäht hatte. Fünf Minuten vor der Entsorgung im Hagenholz – damals noch mit Schacht und Greifarm – rief sie panisch in der Zentrale an. Zum Glück konnten wir unseren Fahrer rechtzeitig erreichen.

Wie sieht es aus mit Missgeschicken, die du oder deine Mitarbeiter verursacht haben?
Wir haben ein sehr eingespieltes und erfahrenes Team, die Schadensfälle der letzten Jahre kann ich an einer Hand abzählen. Noch wichtiger ist, dass wir immer sämtliche Vorsichtsmassnahmen einhalten und die Gesundheit unserer Mitarbeiter nicht gefährden. Schliesslich tragen wir tagtäglich Tonnen von Waren.

Bei Räumungen gewährt EMMAUS Rabatte für verwertbare Gegenstände. Wie gut kennen Auftraggeberinnen und Auftraggeber den Wert ihres Hausrats?
Das ist sehr unterschiedlich. Einige sind sehr gut informiert, andere überhaupt nicht. Mir ist jedoch wichtig, dass wir immer fair sind: Die Ahnungslosen erhalten denselben Rabatt wie jene, die den Wert besser einschätzen können. Diese Fairness lohnt sich auch für uns. Ich habe oft genau deshalb den Zuschlag für eine Räumung erhalten, weil ich ehrlich über den Wert der verschiedenen Gegenstände aufgeklärt habe.

Gibt es auch den umgekehrten Fall? Vermeintliche Trouvaillen, die deutlich weniger wertvoll sind?
Das kommt leider ebenfalls vor. Viele schauen im Internet nach und meinen, diese Preise können im Brocki 1:1 erzielt werden. Doch das sind oft Wunschpreise. Ich muss jedoch realistisch abschätzen, wie die konkrete Nachfrage bei uns aussieht. Auch Trends spielen eine Rolle: Shabby Chic zum Beispiel war einige Jahre sehr gefragt, heute eher weniger.

Wie entscheidest du konkret, was ins Brocki kommt und was nicht?
Es gilt dasselbe wie bei der Annahme von Warenspenden an unserer Rampe. Die Gegenstände müssen funktionstüchtig, in gutem Zustand und verkaufsfähig sein.

Ihr habt oft mit Menschen zu tun, die ihre Wohnung aufgrund eines Umzugs ins Pflegeheim verlassen oder mit Angehörigen, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben. Wie geht ihr in diesen Fällen vor?
Die Räumung ist für viele ein Teil des Ablösungs- und Trauerprozesses. Wir hören deshalb oft persönliche Geschichten und nehmen uns bewusst die Zeit dafür. Am Ende sind die Angehörigen meist dankbar und spürbar erleichtert, einen weiteren Schritt geschafft zu haben. Das sind auch für uns oft schöne Momente.

Welche Rolle spielt der Fakt, dass man mit einer Räumung bei EMMAUS indirekt gemeinnützige Zwecke unterstützt?
Eine sehr grosse. Viele Kundinnen und Kunden schätzen es enorm, dass ihre Möbel oder jene der Angehörigen nicht einfach im Abfall landen. Im Brocki erhalten sie ein zweites Leben – und man tut mit der Räumung gleichzeitig noch etwas Gutes.

Hat deine Arbeit Auswirkungen auf deinen Konsum als Privatmensch?
Auf jeden Fall. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe, und kaufe nur, was ich wirklich brauche – das dafür in guter Qualität, egal ob neu oder Secondhand. Diese Haltung versuche ich auch meinen Kindern weiterzugeben.

Zur Person
Enver Rexhepi startete 2003 im Aussendienst. 2009 übernahm er zusätzlich die stellvertretende Innendienstleitung und bildete bis 2018 Lernende aus. Seither fokussiert er sich ganz auf die Leitung der Räumungen und Transporte. Der 44-Jährige lebt mit seiner Familie in Wallisellen.